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Abrechnung von Zahnfüllungen aus Kunststoff

Nach § 6 Abs. 2 der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) können selbständige zahnärztliche Leistungen, die erst nach dem Inkrafttreten der GOZ am 01.01.1988 aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse entwickelt wurden, entsprechend einer nach Art, Kosten- und Zeitaufwand gleichwertigen Leistung des Gebührenverzeichnisses für zahnärztliche Leistungen berechnet werden (analoge Berechnungsmöglichkeit).

Nach dem Ergebnis der vor dem Senat durchgeführten Beweisaufnahme war der Kläger berechtigt, für die Anwendung der multiadhäsiven (dentinadhäsiven) Kompositrestauration eine Vergütung analog der Gebührenziffer 217 GOZ zu verlangen. Der Sachverständige bestätigte, daß praxisreife Techniken, eine Verbindung zwischen Dentin und Kompositen herzustellen, sowie entsprechende praxisreife Materialien im wesentlichen erst nach dem 01.01.1988 entwickelt wurden. Damit aber handelt es sich um eine Behandlungsmethode, die erst nach Inkrafttreten der GOZ entwickelt wurden.

Schließlich handele es sich um selbständige zahnärztliche Leistungen, die nach Art, Kosten- und Zeitaufwand den in den Gebührenziffern 215-217 GOZ genannten Leistungen gleichwertig seien. Der Aufwand und das Verfahren, so das OLG, seien den direkten Inlays sehr ähnlich, so daß eine analoge Abrechnung nach den Inlaypositionen GOZ 215-217 als gerechtfertigt angesehen werden muß, ebenso eine analoge Abrechnung nach GOZ 214. Konkret hatte der Behandler seine Behandlung als „Dentinadhäsive mehrflächige Rekonstruktion analog 217“ abgerechnet.

Die analoge Berechnung nach § 6 Abs. 2 GOZ eröffnet dem Zahnarzt wie auch dem Arzt nach § 6 Abs. 2 GOÄ, die Möglichkeit, innovative Verfahren entsprechend zu liquidieren. Voraussetzung ist nach dem Wortlaut der Vorschrift, daß eine Abrechnungsziffer für die Leistung nicht vorhanden ist und die Leistung nach Art, Kosten- und Zeitaufwand vergleichbar ist.

In der Rechnung ist dann ein Hinweis auf die Analogberechnung aufzunehmen (§ 10 Abs. 4 GOZ bzw. § 12 Abs. 4 GOÄ).

Bereits im Vorfeld sollte dabei berücksichtigt werden, daß der Behandler die Vergleichbarkeit beweisen muß. Werden also Analogziffern berechnet, sollte besonderes Augenmerk auf die Dokumentation gelegt werden. Teilweise geben die Zahnärzte-/Ärztekammern Empfehlungen für Analogberechnungen heraus, nach denen man sich bei der Abrechnung richten kann.

25.02.2005


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